Kunden

Der Verein Ambulante Dienste e. V. bietet zur Zeit bei ca. 120 KundInnen Assistenz an.

Unsere KundInnen sind Menschen mit Behinderungen, alte Menschen sowie chronisch Kranke und sie erhalten Unterstützungen von wenigen Stunden wöchentlich bis hin zu 24 Stunden täglich.

Broschüre immer in BewegungWir möchten an dieser Stelle einige unserer KundInnen näher vorstellen. Die Texte sind Auszüge aus unserer Jubiläumsbroschüre "Immer in Bewegung"

Dina Hamza

Dina Hamza Dina Hamza ist Unternehmerin. Sie besitzt das einzige Spielzeug-Second-Hand Geschäft in Deutschland. Die Rollstuhlfahrerin ist seit 1986 Kundin des Vereins Ambulante Dienste e. V. und fühlt sich gegenüber ihren Assistentinnen als Arbeitgeberin.

Bis zu dem Zeitpunkt ihres Auszugs aus der gemeinsamen Wohnung hatte ihre Mutter Dina versorgt, was sie nachträglich als "nicht gut für eine 24-Jährige" beurteilt. Als sie zu ihrer Lebenspartnerin zog, musste sie lernen, externe Hilfe anzunehmen und in ihr Leben zu integrieren. Ein großes Stück Herausforderung und Arbeit für sie.

"Allein, dass es durch den Verein Ambulante Dienste e. V. "Assistenz" und nicht mehr "Pflege" hieß und die Handreichungen nicht von einer Krankenschwester getätigt wurden, ermöglichte es mir, die Hürde zu nehmen." Dina Hamza brachte den Assistentinnen durch ihre vielen Krankenhausaufenthalte und die dadurch erlebte Fremdbestimmung ein gehöriges Maß an Misstrauen entgegen. Das blieb jahrelang während ihrer Zeit als Kundin des Vereins so.

Allein, dass es durch den Verein Ambulante Dienste e. V. "Assistenz" und nicht mehr "Pflege" hieß und die Handreichungen nicht von einer Krankenschwester getätigt wurden, ermöglichte es mir, die Hürde zu nehmen

Die Einarbeitung einer neuen Assistentin versetzte sie in Panik, ließ Tränen fließen vor Aufregung. "Ein Schlüsselerlebnis war, dass ich einmal heulend im Bett saß, weil am Morgen eine neue Assistentin anfangen sollte, und Eva (ihre Partnerin, die Red.) mir sagte: ‚Nun gib dich doch nicht so aus der Hand!' " Sie lernte, sich als Arbeitgeberin mit klaren Vorstellungen für eine Stellenausschreibung zu sehen. "Eine Choreografin hat ihre Arbeit mal so erklärt: Sie hat Vorstellungen von einer Bewegung im Kopf, die sie in Sprache umwandeln muss, sodass ihre TänzerInnen sie dann umsetzen können. So sehe ich das bei mir auch. Du kannst mit der persönlichen Assistenz nur gut leben, wenn du führen kannst."

Auch für ihre persönliche Assistenz hat sie Regeln erstellt: AssistentInnen sind ausschließlich weiblich. Sie sollen mindestens ein Jahr bleiben, weil die Einarbeitung so aufwendig ist. Wenn es nicht klappt, sagt sie schnell Nein und klärt die Situation, ohne zu zögern. "Ich habe die Arbeitgeberposition als aktive Rolle angenommen. Das ist angenehmer als dieses Mit–sich–machen–Lassen."

Margarete Zimmermann

Margarete ZimmermannMargarete Zimmermann ist eine Dame. Der Besucher weiß es bereits, bevor er sie trifft. Die Art ihrer persönlichen Assistentinnen, über sie zu sprechen, vermittelt Respekt: vor ihren Gewohnheiten, ihren Terminen, ihrer Lebensart. Frau Zimmermann ist 72 Jahre alt, durch ihre Muskelerkrankung auf den Rollstuhl angewiesen, und seit einiger Zeit macht sich ihre Demenz mehr und mehr bemerkbar. Seit zehn Jahren begleitet Gisela Riedel sie als persönliche Assistentin.

Seit zwei Jahren braucht Frau Zimmermann aufgrund ihrer fortschreitenden Erkrankung mehr Assistenz. Fünf Personen betreuen sie bis zu neun Stunden am Tag. Dreimal wöchentlich geht sie in die Tagespflege. Im Schnitt bleiben die Assistentinnen drei Jahre.

Die Betreuung und die Einstellung von Frau Zimmermann ermöglicht ein recht zufriedenes Leben: "Ich muss ja", lautet ihre Philosophie. "Ich kenne sie gar nicht als Mensch, der hadert" so die Erfahrung von Gisela Riedel. "Ich finde, manchmal dürfte sie auch weinen. Ich sag auch: ‚Margret, warum weinst du nicht mal?' Aber du weinst nicht." Frau Zimmermann: "Warum soll ich weinen? Es wird ja nicht besser." – "Sie findet sich immer mit neuen Situationen ab, ohne zu jammern. Du bist eigentlich hart gegen dich selbst." – "Gisela, das muss ich ja." – "Ja, gut. Das ist natürlich für uns angenehm. Mit ihrer Haltung macht sie es uns natürlich leicht." – "Ich lächle immer." – "Und du stehst zu deinem Leben, du machst dir nichts vor. Wenn ihre Erinnerung nicht da ist, sagt sie: ‚Ich weiß es einfach nicht mehr'. Und wir haben dann gesagt: Gut, dann denken wir für dich mit." Frau Zimmermann nickt: "Ihr seid für mich da. Und wir leben nicht schlecht."

Ihr seid für mich da. Und wir leben nicht schlecht

Frau Riedel lacht und nickt. Sie kam durch Vermittlung des Ambulante Dienste e. V. zu Frau Zimmermann. Nach der Einschulung ihrer jüngsten Tochter suchte sie eine eigenständige Arbeit mit freier Zeiteinteilung. "Wir haben ganz schnell gemerkt", so Frau Riedel. " ...wir passen zueinander," ergänzt Frau Zimmermann den Satz. "Die recht geringe Entlohnung würde ich nicht in Kauf nehmen, wenn ein Unternehmen damit Gewinn machen würde." Es ist die Idee, die trägt – und die Arbeitsbedingungen.

Siegfried Krausse

Siegfried Krausse

Wir treffen Herrn Krausse im Haus Benteler externer Link, der Tagespflegestätte für ältere Menschen in Münster. Er hatte uns ganz vergessen, sodass wir ihn aus der Zeitungsrunde holen müssen, eigentlich seine liebste Einrichtung im Haus Benteler. Aber Herr Krausse sieht das ganz gelassen. Seit neun Jahren ist er Gast hier. Nach seinem letzten, dem vierten Schlaganfall, ist seine linke Seite gelähmt. Auch sein Auge und sein Gehirn haben gelitten, aber dem lebhaften Gespräch mit ihm tut das keinen Abbruch.

Im Juli wurde er 76 Jahre alt. Seine Zeit hat er gut eingerichtet: "Dreimal die Woche bin ich hier. Ab halb neun, dann gibt es Frühstück, danach die Zeitungsrunde. Ich lese sie dann noch mal für mich ausführlich. Andere wollen das nicht, denen reicht die Schlagzeile".Aber Siegfried Krausse will auch wissen, was auf lokaler Ebene so los ist. Anschließend werden Spiele gemacht. Sein Lieblingsspiel? "Kniffel", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Danach folgen Kreuzworträtsel auf der Beliebtheitsskala. Nach dem Mittagessen um 12 Uhr ist Pause: "Ein bisschen dösen", lacht er. Anschließend nutzen die Gäste den Garten oder spielen noch eine Runde. Einen Tag spielt er zusätzlich Doppelkopf, und einen Tag "muss ich mich von dem Stress ausruhen".

Ich bin gut zufrieden, auch mit den Leuten hier

Zu Hause versorgen ihn vier Assistenten. Morgens kochen sie Tee, unterstützen ihn beim Waschen und Anziehen. Am Samstag begleiten sie ihn zum Markt oder am Donnerstag zu seiner Kartenrunde. "Im Winter nutze ich dann aber den ASB (gemeint ist der Fahrdienst des Arbeiter–Samariter-Bund, die Red.). Ich habe ja zehn Fahrscheine im Monat."

... Hier in Münster ist er gut versorgt. Siegfried Krausse hat keine Verbesserungsvorschläge für den Ambulante Dienste e. V.: "Der Bernhard macht alles für mich, wenn ich dem was sage. Ich bin gut zufrieden, auch mit den Leuten hier". Wenn man eine Stunde mit Herrn Krausse geplaudert hat, weiß man, dass er meint, was er sagt.